Bonsaiformen

In der Regel wird bei Bonsai zwischen 12 Formen unterschieden, diese können allerdings fließend ineinander übergehen und auch mehr oder weniger stark von der vorgegebenen Form abweichen.

Die Formen wurden aus der Natur abgeguckt, dort wurden Bäume in ihrem Wuchs beobachtet und ihre Merkmale notiert. Hier eine Auflistung der 12 Bonsaiformen (japanische Bezeichnung; deutsche Bezeichnung; kurze Beschreibung):

 

 

Streng aufrecht chokkan

Chokkan

streng aufrechte Form

Ein gerader Stamm an dem wechselständige Äste

wachsen. Die Äste sind meist waagerecht oder

herabhängend.

Der unterste Ast ist immer der stärskte und er gibt die Richtung des Baumes an.

Die unteren Äste sind stärker nach unten genig wogegen die oberen Äste waagerecht oder leiccht nach oben gerichtet sind.

 

frei aufrecht moyogi

Moyogi

frei aufrechte Form

Hier hat der Stamm eine geschwungene Form.

Äste sind immer an der Außenseite einer

Biegung.

Der unterste Ast ist immer der stärskte und er gibt die Richtung des Baumes an.

Die Bewegung der Äste sollte mit der Bewegung des Stammes harmonieren.

besenform hokidachi

Hokidachi

Besenform

Der Stamm teilt sich an einer gewissen Stelle in

meist 3 möglichst gleichstarke Äste. Die Krone

ergibt eine Ovale, Kugel oder Schirmform.

In dieser Form werden in der Regel nur Laubbäume geformt.

han kengai halbkaskade

Han-Kengai

Halbkaskade

Der Stamm neigt sich mehr oder weniger stark zu

einer Seite.

In der Natur findet man diese Bäume meist im Gebirge.

kengai kaskade

Kengai

Kaskade

Der meist geschwungene Haupttrieb wächst nach

unten, die Stammspitze ist nach unten gerichtet.

sokan doppelstamm

Sokan

Doppelstamm

Zwei Haupttriebe entspringen einer Wurzel,

meist ist einer der Triebe deutlich stärker als der

andere, beide Stämme bilden eine Krone.

In der japanischen Lehre wird der große Stamm meist als ´Mutter` bezeichnet und der kleine als Kind.

Die Stämme sollen die gleiche Neigung und Bewegung aufweisen.

windgepeitscht fukinagashi

Fukinagashi

Windgepeitschte Form

Der Stamm ist geneigt und alle Äste streben in

diese Richtung.

In der Natur findet man diese Form häufig an Küsten, der starke Wind formt diese Bäume.

Kabudachi Mehrfachstamm

Kabudachi

Mehrfachstamm

Aus einer Wurzel wachsen 3 oder mehr

unterschiedlich starke Stämme deren Äste eine

gemeinsame Krone Bilden.

Ikadabuki Floßform

Ikadabuki

Floßform

Der Stamm liegt waagerecht auf dem Boden und

seine Äste bilden die neuen Stämme dieser Form.

Yose-Ue Waldform

Yose-Ue

Waldform

Mehrere Pflanzen gleicher Art aber

unterschiedlicher Größe und alters in einer

Schale gepflanzt bilden einen Miniaturwald.

Bunjin Literatenform

Bunjin

Literatenform

Ein sehr hoher, viel bewegter Stamm mit nur

wenigen Ästen und einer kleinen Krone.

Der perfekte Literat besteht aus einem langen, besonders geformten Stamm und drei Ästen.

Ishizuke Felsenform

Ishizuke

Felsenformen

Eine Baum wird auf einem Stein gepflanzt.

Entweder wachsen die Wurzeln über den Stein in die

Erde darunter oder er wird direktauf den Felsen gepflanzt.

Ideal sind poröse Steine in die der Baum direkt hineinwurzeln kann und die das Wasser durch Kapilarwirkung nach oben leiten.

 

Bei allen Formen gibt es jedoch Gemeinsamkeiten die man immer bei der Gestaltung

eines Bonsai beachten sollte um lange freude an dem Baum zu haben:

Die Konturen eines Bonsai sollten immer (mit Ausnahme der Besenform) ein

ungleichschenkliges Dreieck ergeben. Diese Regel ergibt sich daraus das eine

Asymmetrische Form für das menschliche Auge immer natürlicher und harmonischer wirkt als eine geometrische Form.

Auch wichtig ist das gezielte einsetzen von Freiräumen. Leere Räume betonen die unleeren Räume. Dies ist z.B. auch der Grund warum eine Waldform immer nur einen Teil der Schale befüllt und immer auch einen Freiraum belässt. Die Freiräume sind bei jeder Form ein extrem wichtiges Gestaltungselement.

 

Weiter ist es wichtig das die Äste von oben nach unten an Stärke zunehmen, wie bei einem alten Baum sind die untersten Äste die dicksten, nach oben hin werden sie immer dünner und ihre Anzahl nimmt zur Spitze hin zu.

Auch der Stamm sollte sich nach oben hin verjüngen und im unteren Bereich sichtbar, also nicht von Laub bedeckt sein. Erst im oberen Drittel dürfen Äste auch direkt nach vorne wachsen. Ein Bonsai hat immer eine Vorderseite die dem Betrachter zugewandt wird.

Um dem Bonsai das Erscheinungsbild eines alten Baumes zu geben empfiehlt es sich die Äste immer waagerecht oder nach unten hängend zu gestalten.

Ein Baum der all diese Anforderungen erfüllt ist in der Natur oder in einer Baumschule in Bonsaigröße kaum zu finden. Damit man all diese Anforderungen, die man früher oder später an seinen Bonsai stellt um einen hochwertigen und eindrucksvollen Baum zu erhalten, nachkommen kann gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten die hier vorgestellt werden.